Test der RayNeo iO Smart Glasses: AR ohne Kamera mit Fokus auf Ton

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  • 10 Sep, 2026
Test der RayNeo iO Smart Glasses: AR ohne Kamera mit Fokus auf Ton

RayNeo hat die iO Smart Glasses auf den Markt gebracht – eine kameralose Brille, die auf Produktivität und KI-Unterstützung ausgelegt ist und nicht auf das Aufnehmen von Fotos oder Videos. Das Gerät stammt von einer TCL-Tochtergesellschaft, die zuvor bereits Produkte wie die X3 Pro herausgebracht hat. Die iO sind klar von der Even-Realities-Brille inspiriert, die in bestimmten Nischen Erfolg hatte: Es gibt ein Display, aber keine Kamera, wodurch die Fassung leicht und datenschutzfreundlich bleibt. Das Hauptziel ist nicht, Inhalte wie bei Ray-Ban Meta aufzunehmen, sondern ein Begleiter zu sein, der immer bei einem ist, Gesprächen zuhört und bei Alltagsaufgaben hilft – einschließlich Live-Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen.

Die Hardware verblüfft mit ihrer Dünnheit und Leichtigkeit. Mit einem Gewicht von nur 33 Gramm wirkt die Brille fast wie eine gewöhnliche Brille, und das Fehlen von Kameras und Lautsprechern ist der Schlüssel zu diesem schlanken Profil. Das einzige offensichtliche Merkmal, das sie als Smart Glasses verrät, ist das nach außen dringende schwache grüne Licht des Displays. Das Design ist eher funktional als modisch, und der Sitz hängt stark von der Gesichtsform ab. Wichtiger noch für ein Gerät, das für das Tragen über den ganzen Tag gedacht ist: Der Komfort ist hier die Schwachstelle – nach etwa einer Stunde begann die Brille echte Beschwerden an den Auflagepunkten auf dem Nasenrücken und um beide Ohren zu verursachen, und nach acht Stunden hinterließ sie sichtbare Abdrücke auf der Nase und gerötete Haut in der Nähe der Ohren.

Die dünnen Bügel des Rahmens enden in großen Auswüchsen, die auf den Bereich zwischen Ohren und Schädel drücken und mit der Zeit einen störenden Druck erzeugen. Im Lieferumfang sind zwei transparente Gummiabdeckungen enthalten, damit die Haut das Metall nicht berührt, doch sie machen die Bügelenden noch dicker und verstärken den Druck nur. Das austauschbare Nasenpolster aus der Verpackung erwies sich als identisch geformt mit dem serienmäßigen und brachte für größere Nasen keine Erleichterung. Andere Tester haben sich über den Komfort nicht beschwert, daher scheint das Problem stark von der Kopf- und Gesichtsgeometrie abzuhängen – für diesen Tester waren die Gläser jedoch nur etwa eine Stunde lang angenehm.

Das doppelte monochrome Display ist eine Stärke. Sein Sichtfeld liegt knapp über 23°, was für Benachrichtigungen ausreicht, für textlastige Ansichten wie den Teleprompter aber etwas eng ist. Der Text ist scharf, die Helligkeit erreicht 1200 Nits und sorgt so für Lesbarkeit im Freien, während die sehr transparenten Gläser die Umgebung nicht abdunkeln. Das Display sitzt im oberen Teil des Sichtfelds, sodass Benachrichtigungen die natürliche Sicht nicht verdecken, doch langes Lesen verursacht eine leichte Anstrengung der Augen, weil es unangenehm ist, ständig nach oben zu schauen. Privatsphäre gibt es ebenfalls nicht: Personen in der Nähe können lesen, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, daher sollte man sensible Informationen mit dieser Brille besser nicht ansehen.

Eine der überraschendsten Entscheidungen ist das vollständige Fehlen von Lautsprechern. Das senkt sowohl den Preis als auch das Gewicht und macht die Nutzung weitaus weniger aufdringlich, bedeutet aber den Verzicht auf gesprochene KI-Antworten, Musikwiedergabe und Telefonate – alles beliebte Ray-Ban-Meta-Anwendungsfälle, die hier nicht verfügbar sind. In Kombination mit dem fehlenden Kamera gehört die iO faktisch in eine andere Produktkategorie. Dafür verfügt sie über ein solides Mikrofon-Array, das nicht nur den Träger, sondern auch die Menschen in seiner Umgebung hört und zuverlässig erkennt, wer in einem Gespräch spricht.

Die Akkulaufzeit ist ein echtes Highlight. RayNeo gibt bis zu zwei Tage normale Nutzung und mehr als sechs Stunden ununterbrochenes Übersetzen an. Diese Ausdauer macht die iO zusammen mit den starken Mikrofonen und dem gut lesbaren Display zu einem bemerkenswerten Produktivitätswerkzeug. Dennoch hinterlassen die ungelösten Komfortprobleme, das Fehlen von Lautsprechern und die feste obere Displayposition eine deutliche Lücke zwischen dem, was die Brille auf dem Papier verspricht, und dem, was sie bei ganztägigem Tragen in der Praxis leistet — das sollte vor dem Kauf sorgfältig abgewogen werden.