RayNeo iO Smart Glasses: Test einer kameralosen Display-Brille mit langer Akkulaufzeit
Public- 06 Sep, 2026

RayNeo, eine Tochtergesellschaft von TCL, hat die RayNeo iO Smart Glasses vorgestellt — ein neues Modell, das sich vor allem an alle richtet, die keine Kamera im Gesicht haben möchten. Die Brille hat ein monochromes Display, aber weder Kamera noch Lautsprecher, was sie zugleich leicht und auf Privatsphäre ausgerichtet macht. Mit nur 33 Gramm ist sie dünn genug, um fast wie eine normale Brille zu wirken, und RayNeo hat offensichtlich versucht, sie für ein Gerät, das den ganzen Tag getragen werden soll, so bequem wie möglich zu machen. Sie steht in derselben Kategorie wie die Brillen von Even Realities und fungiert als KI-Begleiter, der Text und Benachrichtigungen auf dem Display anzeigt.

Das Display ist ein doppeltes Monochrom-Setup mit einem Sichtfeld von knapp über 23°, was für textbasierte Benachrichtigungen völlig ausreicht. Der Text ist gut lesbar und die Helligkeit hoch — bis zu 1200 Nits, sodass der Bildschirm selbst draußen an einem sonnigen Tag einigermaßen ablesbar ist. Die Gläser sind sehr transparent, die reale Welt wird also nie abgedunkelt. Die wichtigste Designentscheidung ist die Platzierung: Das Display sitzt im oberen Bereich des Sichtfelds. Dadurch verdecken Benachrichtigungen nie die normale Sicht, was ein klarer Pluspunkt ist, doch längeres Lesen mit nach oben gerichtetem Blick — etwa wie bei einem Teleprompter — verursachte im Test eine leichte Ermüdung der Augen. Zudem hat der Bildschirm keinen Privatsphäre-Modus, sodass Umstehende sehen und sogar lesen können, was darauf angezeigt wird.
Beim Tragekomfort fiel das Ergebnis gemischt aus. Gewicht und Größe sind wirklich beeindruckend, aber die großen Ausbuchtungen an den Enden der Bügel drücken auf den Bereich zwischen Ohren und Schädel, und zusätzlich ist Druck auf dem oberen Nasenrücken spürbar. Nach etwa 90 Minuten ununterbrochenem Tragen verspürte der Tester spürbares Unbehagen und Erleichterung, als er die Brille abnahm. Das Gerät ist als Begleiter für den ganzen Tag gedacht, deshalb wird der Sitz bei längerer Nutzung in einem Folgebericht erneut geprüft.
Einen USB-C-Anschluss gibt es am Gerät nicht. Stattdessen befinden sich zwei Kontakte unter dem Linsensteg, und geladen wird über einen speziellen Adapter, der einen USB-C-Anschluss ergänzt; das Anstecken wird als etwas fummelig beschrieben. Der Akku ist eine Stärke: RayNeo verspricht bis zu zwei Tage normale Nutzung und mehr als sechs Stunden ununterbrochenes Übersetzen. Benachrichtigungen bleiben nur wenige Sekunden auf dem Bildschirm und verschwinden dann — das reduziert visuellen Ballast und spart Energie. Auch das Fehlen von Kamera und Lautsprechern trägt zur langen Laufzeit bei.
Die Interaktion erfolgt über die Krone und das Display: Die Brille geht nach etwa 15 Sekunden in den Standby-Modus und wacht automatisch auf, wenn der Nutzer den Blick nach oben richtet. Erforderlich ist die Begleit-App RayNeo AI mit einem Dashboard aus konfigurierbaren Widgets — Uhrzeit, Wetter, Börse — sowie einem über die Krone bedienbaren App-Menü. Die ersten Software-Eindrücke fielen gemischt aus: Live Captions funktionierten auf Englisch und Chinesisch besser als auf Italienisch, und die Live-Cues-Beta erkannte Fragen nicht immer, wobei auch das schwache WLAN während des Tests eine Rolle gespielt haben könnte. Bemerkenswert ist, dass die Brille komplett auf Lautsprecher verzichtet, weshalb es keine Unterstützung für Telefonate gibt und die KI nur schriftliche Antworten liefert; das Mikrofon-Array schnitt dagegen gut ab.
Beim Thema Privatsphäre ist die Lage verworren. Der Verzicht auf die Kamera ist ein echter Vorteil, doch Funktionen wie Life Log, das den Umgebungston kontinuierlich analysiert, werfen Fragen auf — zumal ein Life Log ohne Kamera logisch merkwürdig erscheint. RayNeo verfügt über Zertifizierungen wie die DSGVO, und während der Tonaufnahme leuchtet eine Privatsphäre-LED, die jedoch am Ende der Bügel in Ohrnähe sitzt, wo sie wohl kaum jemand bemerken dürfte. Die RayNeo iO Smart Glasses sind bereits für 499 $ mit Standard-Etui oder für 549 $ mit Lade-Etui erhältlich, zuzüglich eines Startrabatts von 50 $.
